Segen und Fluch (J)

Meir Bar-Ilan

Der Glaube an die Wirkkraft des Wortes war in der Antike viel größer als beim modernen Menschen. Wörter waren nicht nur abstrakte Begriffe, um Gedanken mitzuteilen, sondern auch "Waffen", die Gut und Böse bewirken konnten.

1. Zeit des Zweiten Tempels

1.1. Qumran

Einmal jährlich (wohl zum Wochenfest) erneuerten die Mitglieder der Gemeinde den Bund zwischen sich und Gott. In diesem Ritus, vergleichbar der Aufstellung Israels auf den Bergen Garizim und Ebal (Dtn 27), segneten die Priester die Gemeinde und verfluchten die Leviten jene, die sich ihr nicht anschlossen (1QS 2,2-18). Vorbild ist der Priestersegen (Num 6,24-7), der Fluch als Gegenstück dazu formuliert. Doch gab es auch andere Formeln, z.B. einen Gebetstext (11Q Ber), in dem der Vorbeter, wohl einer der Führer der Gemeinde, die Beter segnet.

1.2. Tempel

Der Priestersegen wurde im Tempel täglich rezitiert (mTam 5,1); auch außerhalb des Tempels segneten die Priester Israel, doch auf andere Art (tSot 7,7f). In der feierlichen Verlesung der Tora einmal in sieben Jahren wurden auch die Segen und Flüche gelesen (mSot 7,8). Ein Mann konnte seine Frau, die er der Untreue verdächtigte, zum Tempel bringen und in einem Ordal schwören lassen (Num 5,11-31; mSot). Hatte sie gesündigt, kamen über sie die in der Tora geschriebenen Flüche, wenn nicht, wurde sie gesegnet (bSot 26a). Im Tempel war eine goldene Tafel angebracht, auf der diese Segen und Flüche aufgeschrieben waren (tYom 2,3; tSot 2,1).

2. Talmudische Zeit

  1. Alltag.

Man segnete jeden, den man traf, mit "Friede (sei über dir)" (bBer 3a.6a u.ö.). Man segnete den Nächsten oder fluchte ihm (bTaan 5b) und manchmal segnete auch ein Heide einen Juden mit den Worten "Gepriesen sei der Gott der Juden" (Dan 3,28; yPea 3,7,17d; yBM 2,5,8c). Nichtjuden wußten jüdische Segen zu schätzen, wie Talmud (bYom 54b) und kirchliche Beschlüsse bezeugen: Kanon 49 von Elvira (300-303 n.) verbietet einem Christen, Juden zu bitten, sein Feld zu segnen, was bestehende Bräuche belegt. Manchmal baten Rabbinen einen anderen Rabbi (bTaan 5b) oder einen Ältesten um den Segen (RutR 6) oder segnete ein Rabbi nach biblischem Brauch (Gen 49,27) vor dem Tod seine Schüler (bBer 28b). Wohl aus spättalmudischer Zeit stammt der Jerusalemer Brauch, Kinder nach dem Fasten des 9. Ab von den Ältesten segnen zu lassen (Sof 18,7).

Das Verbot "Du sollst einen Tauben nicht verfluchen" (Lev 19,14) dehnen die Rabbinen auf alle Menschen aus (Sifra Qedoshim 2; mShevu 4,13), beschränken aber andererseits das Verbot zu fluchen auf die Verwendung des Gottesnamens (Mek Neziqin 5; mSan 7,8; tMak 5,10; bShevu 35a-b).

Segensformeln sind z.B.: "Der Heilige, gepriesen sei er, sei N.N. gnädig. Heute sollen aus seinem Haus hundert Ochsen, hundert Schafe und hundert Ziegen kommen" (ARN A 11), oder im Fall eines Kranken, "Gott gedenke deiner zum Heil" (bShab 12b). Fluchformeln sind z.B.: "In deinem Haus sei kein Sauerteig und kein Salz" (ARN A 20). Eine Frau, die mit der Entscheidung eines Richters nicht zufrieden war, fluchte ihm: "Stürzt seinen Sessel um" (bGit 35a). Nach einem alten Fluch (Hag 2,22) verfluchte eine Perserin ihren Sohn mit dem expliziten Gottesnamen und er starb (yYom 7,3,40d). So wundert es nicht, wenn es bMeg 15a heißt: "Unterschätze nicht den Segen/Fluch eines einfachen Menschen". Denn offensichtlich konnten Worte Böses oder Gutes bewirken.

Nach Ansicht eines Tannaiten wird eine Frau, die den Eltern ihres Mannes in seiner Gegenwart flucht, ohne Ketubba entlassen (mKet 7,6). Zwei rabbinische Erlässe werden mit "Verflucht" eingeleitet: "Verflucht sei, wer Schweine züchtet, und verflucht sei, wer seinen Sohn griechische Weisheit lehrt" (bSot 49b). Warum gerade diese Erlässe und nicht auch andere, die ebenso der Abwehr fremder Kultur galten, so formuliert wurden, ist unbekannt.

R.Simeon ben Jochai soll jeden verflucht haben, der bene elohim mit "Göttersöhne" übersetzte (BerR 26,5). Von manchen Rabbinen heißt es, daß sie verfluchten, wer sich in Gesetzesfragen nicht an ihre Meinung hielt, so etwa Rab (bShab 120b) und Abaje (bBer 29a; bShab 120b usw.). R.Chijja bar Abba soll beim Anblick eines Haggadabuches (das Schreiben der mündlichen Tora war noch verboten) geflucht haben, dem Schreiber des Buches werde die Hand abgehauen (yShab 16,1,15c). Den Fluch fanden die Rabbinen in Neh 13,25 gerechtfertigt (bMQ 16a).

Dennoch wandte man den Fluch halachisch nicht oft an, da man seinen Nutzen bezweifelte (bYom 75a), fürchtete, er kehre auf den Fluchenden zurück (bSan 48b), oder den Bann für die wirksamere Strafe hielt.

Die rabbinische Literatur Palästinas fügt an die Namen der an der Zerstörung Jerusalems und des Tempels Schuldigen einen Fluch: Den Namen von Nebukadnezzar (yMeg 3,7,74c), Rufus (yTaan 4,5,69b), Trajan (Petichtot zu EstR) und Hadrian (BerR 10) folgt der Fluch "Seine Gebeine mögen zermalmt (und seiner nicht gedacht) werden". Dagegen fügt man dem Namen eines Verstorbenen hinzu: "sein Andenken sei zum Segen", gemäß Spr 10,7: "Das Andenken des Gerechten ist gesegnet, der Name der Frevler vermodert".

In vielen spätantiken Synagogen finden sich Segensinschriften, z.B. "Friede über Israel" (Jericho, Ps 125,5), "Friede sei auf diesem Ort und an allen Orten Israels" (Bar'am), dazu Segen für einzelne, wie: "N.N. sei zum Guten und zum Segen gedacht, Friede" (Aschdod), "Der König der Welt segne sie für ihre Mühen, Amen, Amen, Sela" (Hammat Gader). In einem Fall enthält die Inschrift auch einen Segen "für die Rettung unserer Herren und Herrscher, der Kaiser ... " (Qitsion in Galiläa), ähnlich dem traditionellen Gebet für das Heil der Herrscher in der Synagoge.

Eine lange Inschrift in der Synagoge von En Gedi enthält u.a. diesen Fluch: "Jeder, der Zwietracht stiftet zwischen einem Mann und seinem Nächsten oder seinen Nächsten bei den Völkern verleumdet, der Dinge seines Nächsten stiehlt oder das Geheimnis der Stadt den Völkern offenbart - er, dessen Augen über die ganze Welt schweifen und ihr Verborgenes sehen, er wende seinen Zorn gegen diesen Mann und seine Nachkommen und rotte ihn aus von unter dem Himmel. Und das ganze Volk sage: Amen, Amen, Sela". Dieser Fluch ist einzigartig; die Anklänge auf Bibelverse sollten den Eindruck verstärken und ein asoziales Verhalten verhindern.

Segensinschriften findet man auch auf Grabsteinen, mit Formeln wie "Das Andenken des Gerechten sei zum Segen", "Schalom (über sein Grab; über Israel; über Israel und uns und unsere Söhne, Amen; gutes Ende usw.)". Nicht wenige Grabinschriften enthalten Flüche gegen jeden, der das Grab öffnen, zerstören oder verkaufen oder darin jemand begraben will, der nicht zur Familie des Grabbesitzers gehört. Solche Flüche sind aus Kleinasien, aber auch aus Bet Shearim (z.B. in Griechisch: "Wer dieses Grab über uns zu öffnen wagt, habe keinen Anteil am ewigen Leben") und Jerusalem bekannt. Dieser Brauch ist alt und war allen Völkern des Alten Orients gemeinsam.

Juden Babyloniens (aber nicht nur dort) schrieben Flüche auf Zauberschalen und verbargen diese im Boden. Andere schrieben Gegenflüche, um Schaden durch diese Flüche zu verhindern. Auf diesen Schalen verwendete man gern biblische Flüche, wie z.B. "Der Herr schlage dich mit Wahnsinn"(Dtn 28,28).

Die Rabbinen wußten, daß der Mensch besser denen nicht antwortet, die ihm fluchen (bBer 17a; MidrPss Buber 16).

  1. Liturgie

Berakhot sind Bekenntnis und Preis Gottes, Anerkennung, daß Gott gepriesen ist, nicht daß der Mensch ihn segnet. Eine Ausnahme ist, wenn Gott den Hohenpriester Jischmael bittet, ihn zu segnen (bBer 7a). Gewöhnlich bittet der Mensch Gott, daß er ihn segne. So bittet in vielen Berakhot, zumindest im späteren Text, der Beter Gott, daß er das Jahr oder die Beter segne, z.B. "El Schaddai segne euch".

Die Rabbinen setzten fest, daß man zweimal täglich Dtn 11,13-21 rezitiert, das aus Segen für den, der die Tora hält, und Fluch für den, der sie nicht einhält, besteht.

Der Priestersegen ist in der Synagoge der einzige Fall, wo die Beter durch Vertreter der Gemeinschaft gesegnet werden - die Priester. Der Brauch geht auf den Tempel zurück und die Rabbinen setzten dafür besondere Halakhot fest (mMeg 4,10).

Die biblischen Segen und Flüche (Lev 26; Dtn 28) werdevor dem Wochenfest und vor Neujahr gemäß der Esra zugeschriebenen Taqqana (bMeg 31b) in der Synagoge bis heute gelesen, doch sind sie nun Teil der laufenden Lesung und nicht mehr eine eigene Lesung außerhalb des Zyklus. Auch pflegte man diese Kapitel im Fastengottesdienst zu lesen (mMeg 3,6). Das Volk fürchtete die Flüche, weshalb die Rabbinen eigens lehren mußten, daß (Segen und) Flüche in der Synagoge gelesen und übersetzt werden (bMeg 25b).

In talmudischer Zeit verschwand der Fluch weithin aus der Welt des Rituals. Flüche in der Synagoge sind selten. Bekanntestes Beispiel ist der "Ketzersegen", der in Jabne in das Achtzehngebet eingefügt wurde (bBer 28b). Dieser "Segen" ist ein Fluch, den der Beter dreimal täglich rezitiert: "Den Minim und den Verleumdern sei keine Hoffnung". In frühen (palästinischen) Fassungen werden auch die Christen explizit genannt: "Den Abtrünnigen sei keine Hoffnung, und die frevlerische Herrschaft werde schnell ausgerottet in unseren Tagen und die Christen und die Minim sollen im Augenblick vergehen; sie seien ausgelöscht aus dem Buch des Lebens und mit den Gerechten sollen sie nicht geschrieben werden".

Andere Flüche wie "Verflucht sei Haman (und gesegnet Mordechai)" oder "Verflucht sei Seresch (die Frau Hamans) und gesegnet Ester" (bMeg 7b) gelten nicht als Pflicht und werden nicht explizit aktualisiert. Nach einem späten Midrasch klagte Haman die Juden vor Artaxerxes an, die Juden verfluchten mit der Torarolle in der Hand die Heiden (Yalq 1054). In talmudischer Literatur gibt es keinen Hinweis auf einen solchen Brauch, auch wenn z.B Pijjutim Jannais scharfelüche gegen die Heiden enthalten.

3. Nachtalmudische Zeit

Das traditionelle Judentum ist weithin talmudisch geprägt. Doch gibt es wie in jeder lebendigen Kultur auch hier Neuerung und Änderung gegenüber früher.

  1. Alltag

Der traditionelle Segen bei freudigen Anlässen wie Geburt oder Hochzeit, ist mazal tob. Am Neujahrsabend segnet jeder seinen Nächsten mit den Worten "Für ein gutes Jahr sollt ihr eingeschrieben und gesiegelt sein", oder einfach "ein gutes Jahr". Der seit über hundert Jahren verbreitete Brauch, Neujahrskarten zu versenden, entstand wohl in Europa unter christlichem Einfluß.

Eltern segnen ihre Kinder am Vorabend von Sabbat und Versöhnungstag, wobei sie ihnen die Hände auflegen; ähnlich kommen die Chasidim jederzeit zu ihrem Rab um seinen Segen. Aus neuerer Zeit stammt der Brauch, im Haus den "Haussegen" aufzuhängen, ein kleines Schild mit den Worten "In dieses Haus komme keine Not" oder ähnlich. Verwandt ist der seit Ende des Mittelalters belegte Brauch, Segenstafeln in der Sukka (mit Texten wie Dtn 28,6) aufzuhänge n.

In modernen Synagogen kann man Gedenktafeln mit Segen für die Spender sehen. Auf Grabsteinen finden sich Worte wie "Sein Andenken sei gesegnet", was man auch anfügt, wenn man den Namen eines Toten erwähnt. Über dem Eingang öffentlicher Gebäude sieht man manchmal den Segen "Gesegnet seien, die da kommen".

Hat sich auch Zahl und Form von Segen mit der Zeit vermehrt, hat dagegen die von Flüchen abgenommen, wohl auch durch den Einfluß von Maimonides, der im Verbot des Fluchs eine der Wurzeln der Tora sieht. Der R.Jehuda ha-Chasid zugeschriebene Sefer Chasidim (12.Jh.) verbietet, zu fluchen ( 1443) oder auch nur dort zu wohnen, wo man flucht ( 129). 1438 gibt einen Rat, wie man eine Mutter davon abhält, ihren Kindern zu fluchen; nach 1439 fallen die Kinder dessen, der zu fluchen pflegt, ab oder der Fluch kehrt auf einen zurück. Das Eifersuchtsordal war einst auf den Tempel beschränkt, doch kennt man Fälle, wo ein ähnlicher Ritus in nachtalmudischer Zeit ausgeführt wurde.

Gewisse Dokumente (etwa zur Steueraufteilung) enthalten Segens- und Fluchformeln zur Bekräftigung. Z.B.: "Jeder, der sich von der Gemeinde absondert und diese Bedingungen übertritt, der sei in Bann, Verbannung und im Fluch, mit dem Josua ben Nun Achan ben Serach und Jericho gebannt hat, er habe keinen Anteil am Gott Israels und nicht sehe er den Aufbau Jerusalems".

Im 10.Jh. verfaßte einer der großen Dichter Spaniens, R.Josef ibn Abitur, einen Piyyut, der einzig aus Flüchen besteht: "Klage und Wehgeschrei soll sie umgeben von ihren Häuptern her... und ihre Flüche sollen sie umgeben von ihren Häuptern bis zu ihren Fersen, Amen, Sela". Allem Anschein nach wurde der Piyyut im Mittelalter in Bannzeremonien rezitiert. Volkskundler haben ganze Sammlungen von Flüchen in Jiddisch und Hebräisch zusammengetragen.

  1. Liturgie

Wohl schon seit Raschi (zu bMeg 31b) pflegt man die Flüche in der Toralesung leise zu lesen, wohl, um ihre Wirksamkeit zu verhindern. Aus Vorsicht wehrt man sich dagegen, bei diesem Abschnitt zur Tora aufgerufen zu werden; manchmal las man die Flüche leise oder verpflichtete den Synagogendiener oder bezahlte Arme dafür, diesen Abschnitt zu lesen.

Das Gebet "Errettung komme" stammt wohl aus Babylonien. Es enthält einen Segen für die Leiter der Gemeinde und der Jeschibot. Dieses Gebet wird bis heute an Sabbaten verrichtet.

Im Mittelalter entwickelte sich eine besondere Art von Segensgebeten für bestimmte Gruppen. Nach ihrer Einleitung heißen sie mi sche-berakh. Alle diese Gebete folgen der Form "Wer X gesegnet hat, segne auch Y". Über 150 Berakhot dieser Art entstanden im Lauf der Jahre. Sie sind für verschiedene Gruppen bestimmt, für Kranke, solche, die Tora lernen usw. Heute verwendet man nur einen kleinen Teil dieser Gebete, nämlich jene, die rund um die Lesung der Tora rezitiert werden.

Mit Entstehen des Staates Israel wurde ein Gebet zum Wohl des Staates verfaßt (wohl von S.J.Agnon), das man in den meisten neueren Gebetbüchern findet. Man betet es an allen Sabbaten und Festen; charedisch-antizionistische Gruppen lehnen dieses Gebet ab.

Im aschkenasischem Ritus war es in manchen Gemeinden üblich, am Versöhnungstag den Heiden zu fluchen. Ein Pijjut zählt die Namen vieler Völker auf und bittet Gott, sie zu vernichten. Heute wird der Text nicht mehr verwendet. Ähnlich enthält die Pesach-Haggada Verse mit Flüchen, so Ps 79,6: "Gieß deinen Zorn aus über die Heiden, die dich nicht kennen". Die späteren Tosafisten zitieren Beter zu Purim mit den Worten: "Verflucht seien alle Frevler, gesegnet seien alle Juden", und natürlich gab es auch andere Formen, doch ohne verbindliche Halacha.

Im 18.Jh. pflegte man in Jerusalem den Brauch der "Auflösung der Flüche", um alle gegen den "Auflöser" gerichteten Flüche und Zauber, ähnlich der Auflösung der Gelübde, für nichtig zu erklären. Der Text beginnt mit den Worten: "Gelöst seien alle Flüche und Verfluchungen, Bannflüche und Bannungen... Zauber und alle bösen Worte...".

Spätestens seit 1905 kennt man ein Fluchritual, worin man einen Menschen verflucht, um ihn zu Tode zu bringen. Der Ritus heißt pulsa de-nura ("Feuerstäbe" nach bYom 77a; bHag 15a) und ist nach Meinung der Kabbalisten alt. Man rezitiert dabei Psalmen, verflucht unter Nennung von Engelsnamen, bläst das Schofar und löscht Kerzen aus. Jerusalemer Charedim verfluchten so 1905 David Jellin, der einige Monate später starb, oder 1957 den Jerusalemer Bürgermeister Gershon Agron (1894-1959), im Golfkrieg (1991) den Herrscher des Irak. In einer ähnlichen Zeremonie wurde 1995 der israelische Ministerpräsident I.Rabin verflucht, der einige Monate später ermordet wurde, und wenig später versammelten sich Tausende Charedim in Jerusalem, um Archäologen zu verfluchen, die Gräber öffnen.

Juden pflegten einen Brief oder eine andere Sache mit einem Segen zu beenden, und so pflegt man bis heute (im Anschluß an die Pajtanim) zu Neujahr zu sagen: "Es ende das Jahr mit seinen Flüchen, es beginne das Jahr mit seinen Segen".

 

Lit.:

H.B.Auerbach, Ein sonderbarer Mischeberach (Segensspruch): Ein kulturhistorisches Dokument aus dem 17. Jahrhundert: ZGJ 9 (1972) 147-152. - Meir Bar-Ilan, Berakhot u-qlalot niqre'ot lifne Rosh ha-Shana: Sinai 110 (1992) 29-35. - Aharon Demsky, Hithafekh kisse malka. The Cultural Continuum of a Canaanite Curse: Leš 34 (1969f) 85f (hebr.). - Charles Duschinsky, The Yekum Purkan, in: Livre d'Hommage a la mémoire du Dr. Samuel Poznanski Warschau 1927 (Ndr. Jerusalem 1969) 182-198. - John G. Gager, Curse Tablets and Binding Spells from the Ancient World, Oxford 1992. - Elliott Horowitz, "And it was reversed": Jews and their Enemies in the Festivities of Purim (hebr.): Zion 59 (1994) 129-168. - Reuven Kimelman, Birkat ha-Minim and the Lack of Evidence for an Anti-Christian Jewish Prayer in Late Antiquity, in Ed P. Sanders (ed.), Jewish and Christian Selfdefinition, Philadelphia 1981, II 226-244.391-403. - Hayyim Merhavya, The Caustic Poetic Rebuke (Shamta) in Medieval Christian Polemic Literature (hebr.): Tarb 41 (1971f) 95-115. - Joseph Naveh - Shaul Shaked, Amulets and Magic Bowls, Jerusalem 1985, 134-145; 172-179. - Bilhah Nitzan, Qumran Prayer and Religious Poetry (STDJ 12), 119-143. - Eileen Schuller, Some Observations on Blessings of God in Texts from Qumran, in: Harold W. Attridge, John J. Collins and Thomas H. Tobin (eds.), Of Scribes and Scrolls, Studies ... Presented to John Strugnell, New York 1990, 133-143. - J.Singer, How to Curse in Yiddish, New York 1977. - Johan H.M. Strubbe, Curses Against Violation of the Grave in Jewish Epitaphs from Asia Minor, in: Jan Willem van Henten and Pieter W. van der Horst (eds.), Studies in Early Jewish Epigraphy (AGJU 21), 1994, 70-128. - Pieter W. van der Horst, Ancient Jewish Epitaphs, Kampen, 1991, 54-60. - Adam S. van der Woude, Ein neuer Segensspruch aus Qumran (11Q Ber): Bibel und Qumran, Berlin 1968, 253-258. - Abraham Yaari, The Mi she-berakh Prayers; History and Texts (hebr.): QS 33 (1957f) 118-130.233-250. - Israel J. Yuval, Vengeance and Damnation, Blood and Defamation: From Jewish Martyrdom to Blood Libel Accusations (hebr.): Zion 58 (1993) 33-90.

 

Meir Bar-Ilan

(Übersetzung und Zusammenfassung: Günter Stemberger)

 


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Last updated: September 15, 1997